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Hermann-, Helenen- und Georgstraße - (Bernhardstraße)

Straßen in Dietrichsdorf

Am 2. Juli 1898 fand beim Gastwirt Thiessen im "Dietrichsdorfer Hof" die Gründungsversammlung des "Arbeiterbauvereins für Dietrichsdorf und Umgebung" statt. Der Einladung von Georg und Hermann Howaldt waren rund 120 Teilnehmer, zumeist Arbeiter der Howaldtwerft und des Artilleriedepots, gefolgt. Die Werftbesitzer wollten durch den Bau von Arbeiterwohnhäusern die im Ort herrschende Wohnungsnot lindern und zugleich Arbeitskräfte dauerhaft an den Betrieb binden.

Damals bestand Dietrichsdorf vorwiegend aus dem alten Dorfkern um den Dorfteich herum und aus dem Wohnquartier "Neu - Dietrichsdorf", das zwischen der Werft und dem Heikendorfer Weg lag. Die Bauernfamilie Ivens wollte für Arbeiterwohnungen kein Land beim Dorf verkaufen und so erwarben die Howaldts, weitab von der damaligen Besiedlung, 72000 qm Ackerflächen für 30.000 Mark auf dem "Elbenkamp".

80 der Anwesenden wurden sogleich Mitglieder im Bauverein mit einem Aufnahmebeitrag von einer Mark sowie 5 Mark (10 Prozent) ihres Genossenschaftsanteils.

Noch im Herbst des Jahres 1898 konnten in der Hermannstraße die ersten 6 großen Häuser mit 3 ˝ - Zimmerwohnungen und 6 kleinere mit 2 1/2 Zimmern unter 34 Baugenossen verlost werden. Eigentlich waren die großen Häuser für die Werftbeamten und Meister gedacht. Aber letztlich blieben die "Proleten" von der Werft und dem Depot doch unter sich, die Gegend war woh1 doch nicht "fein" genug und zudem auch noch stark von vaterlandslosen Gesellen, den "Sozis", durchsetzt.

Zwischen 1901 und 1902 wurde die Georgstraße bebaut. Ebenfalls in der Zeit errichtete man an der Ostseite des Elbenkamps Wohnhäuser, die Westseite blieb zunächst frei. 1902 bis 1903 legte man dann die Bernhardstraße an.

Diese Straße wurde im April 1939 in Lettow-Vorbeck-Straße umbenannt. Seit 1947 heißt sie Hertzstraße. Als 1910 Neumühlen mit Dietrichsdorf durch den Bau der Tiefen Allee verbunden wurde, konnte man mit dem Bodenaushub auch die obere Helenenstraße anlegen. Die Straßen waren lange Zeit noch ungepflastert und gaben Anlass zu Protestresolutionen an den Landrat in Bordesholm. Den Arbeiterbauverein gab es bis Oktober 1940. Dann erfolgte durch die Nazis die Zwangsverschmelzung mit dem Arbeiterbauverein Ellerbek zur auch heute noch so genannten "Heimstättengenossenschaft Kiel-Ost".

Initiatoren des Bauvereins waren Georg und Hermann Howaldt. Gemeinsam mit ihrem Bruder Bernhard hatten sie am 1. Januar 1880 die Maschinenfabrik und Gießerei (vorm. Schweffel & Howaldt) in Kiel von ihrem Vater übernommen. Schon 4 Jahre zuvor legte Georg Howaldt seine Werft am Nordufer der Schwentine an. Damals beschäftigte er rund 80 Arbeiter. Die Werft expandierte und zwischen 1882 und 1884 wurde auch die Maschinenfabrik Gebr. Howaldt auf das Dietrichsdorfer Werftgelände verlegt. Im Juni 1889 vereinigte man beide Betriebe geschäftlich miteinander. Ein Jahr zuvor war Bernhard ausgeschieden. 1903 bis 1904 ließ er auf eigene Rechnung das Schwentinewasserkraftwerk an der Rastorfer Mühle errichten und 1908 bis 1909 das Wasserkraftwerk Raisdorf. Den erzeugten elektrischen Strom aus beiden Kraftwerken verkaufte er ausschließlich an die Stadt Kiel. Zwischen 1909 und 1912 wurde die von ihm geplante "Howaldtbahn" gebaut.

Und die Helenenstraße? Helene hieß die Gattin des Kommerzienrates Georg Howaldt. In der Geschichtsschreibung kommen sie kaum vor. Nur soviel: Sie hatte mit ihm 4 Söhne: Georg (jun.), James, Adolf und Konrad. Außerdem durfte sie 1882 die neue Werksfahne weihen.

Texte der Straßennamen mit freundlicher Genehmigung des Autors Sönke Petersen



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