www.dietrichsdorf.net - Ein Stadtteil vernetzt sich

Ivensring

Straße in Dietrichsdorf

"lvensring, früher teilweise Dorfstraße, neuerdings umbenannt zu Ehren des ehemaligen Bauernvogtes und Gemeindevorstehers von Dietrichsdorf, Johann Ivens und seiner Nachkommen und Namensverwandten rings um den Dorfteich". So ist es in Unterlagen des Stadtarchivs nachzulesen.

Die damalige Dorfstraße dürfte wohl mit zu den ältesten Wegeverbindungen im Stadtteil zählen, denn vermutlich bereits im 13. Jahrhundert wurden hier, rund um den Dorfteich, herum, 6 Hufnerstellen von Siedlern angelegt. Hufner standen im allgemeinen noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts in einem festen Lehensverhältnis zum Landbesitzer, waren also abhängig von ihm. Die Bezeichnung "Hufe" war bis nach 1900 als ein anderer Begriff für "Bauernhof" gebräuchlich. 1721 wird in alten Unterlagen bereits ein Hufner namens Jacob Ivens genannt. Als Johann Gabriel Ivens nach 1850 von der Witwe Jungjohann ihre Hofstelle übernimmt und diese mit seiner eigenen zusammenlegt, gibt es in Dietrichsdorf nur noch 4 Großbauernhöfe.

1872 wird dieser Johann Ivens zum Bauernvogt (Bürgermeister) von Dietrichsdorf gewählt. Damals bestand das Dorf aus 39 Gebäuden mit 66 Haushalten. 337 Menschen lebten hier. in seine Amtszeit fällt die Industrialisierung der Gemeinde mit ihren fast explosionsartigen baulichen und sozialen Veränderungen. Ab 1874 errichten die Gebrüder Lange die "Mühlencolonie" am Steinkamp. Es sind Werkswohnungshäuser für die Mühlenarbeiter. Georg Howaldt, der mit seiner Werft 1878 an das Nordufer der Schwentine übersiedelte, stellt diese Unternehmung in den Schatten. Er lässt schon bald einen ganz neuen Ortsteil, "Neu-Dietrichsdorf", vor den Werfttoren entstehen. Hauptsächlich seine Werftarbeiter leben hier.

1893 tritt eine neue Landgemeindeordnung in Kraft. Bei der Wahl zur Gemeindevertretung, die aus 9 Mitgliedern besteht, wird nach dem "Dreiklassenwahlrecht" gewählt. Jede Wählerklasse hat das Recht, 3 Vertreter zu wählen. Von den 8 Wählern der 2. (mittelständischen) Wählerklasse tragen 3 den Namen Ivens. Einer der drei, Claus lvens, wird auch Gemeindeverordneter. Er ist der Sohn des Gemeindevorstehers. Übrigens gehen nur 10 % der 322 eingetragenen Wähler der minderbemittelten 3. Klasse zur Wahl. Mit der neuen Ordnung erhält Ivens die Amtsbezeichnung "Gemeindevorsteher". 1899 war die Gemeinde aufgrund des gewaltigen Umbruchs und des damit verbundenen Verwaltungsaufwandes nicht mehr ehrenamtlich zu "regieren". Mittlerweile leben im Ort immerhin schon über 4.000 Personen, zumeist Arbeiter und deren Familienangehörige. Als Nachfolger von lvens wird der Kieler Referendar Dr. jur. Hermann Moritz vom Gemeinderat zum besoldeten Gemeindevorsteher gewählt. Am 31.3.1899, dem Tage seines 73. Geburtstages, tritt Ivens nach 27-jähriger Tätigkeit von der Bühne ab. Einige Wochen vorher war ihm aufgrund seiner Verdienste vom Landrat des Kreises Bordesholm, zu dem Dietrichsdorf damals gehörte, der Kronenorden 4. Klasse verliehen worden.

Am 30.3.1904 verstirbt der Hufner und Altenteiler Johann Gabriel lvens in seinem Wohnhaus Ivensring 4 (es lag gegenüber der Villa Dahlinger am Dorfteich). In einem Trauerzug wurde der Tote nach Schönkirchen zum dortigen Friedhof überführt, denn Dietrichsdorf hatte damals noch keine eigene Begräbnisstätte. Zudem gehörte die Dietrichsdorfer Pfarrstelle zur Kirchengemeinde Schönkirchen. Hier war lvens auch 50 Jahre lang Kirchenältester gewesen.

An die alte Bauernfamilie erinnern heute im Ort nur noch Straßennamen. Fritz Ivens ("Fritz Buer") hatte bereits 1913 seinen Hof am Ivensring 7 aufgegeben und war nach Landgraben bei Schönkirchen übergesiedelt. 1942 wurde Jacob Ivens ("Jung Buer Jacob") Anwesen enteignet. Er übernahm einen Hof in Freienfelde bei Lutterbek. Am Ort der früheren Hofstelle ist heute nur die noch der Fußweg "Über‘n Bauernhof". Ungefähr dort, wo die Polizeiwache liegt, hatte Claus Ivens seinen Hof. Die Marineverwaltung siedelte ihn 1944 nach Kotzenbüll auf Eiderstedt um. Als einziges reetgedecktes Bauernhaus verblieb nach dem Bombenkrieg der Hof des alten Jacob Ivens ("Old Jacob Buer"), der bereits 1938 verstorben war. Das Gebäude musste 1958 abgerissen werden, weil an dieser Stelle die Paul-Gerhardt-Kirche errichtet werden sollte.

Texte der Stra&ßennamen mit freundlicher Genehmigung des Autors Sönke Petersen



Unabhängige Internetseite für Neumühlen-Dietrichsdorf/Oppendorf

Kiel Sailing City